Arbeitsraum · Die ehemalige DDR-Staatsbank Schwerin
Fast zwei Jahrzehnte stand das historische Bankgebäude in der Friedrichstraße leer. Im Projekt Arbeitsraum hatte ich die seltene Möglichkeit, mehrere Tage allein in seinen verlassenen Räumen zu fotografieren.
Tresorräume, Schließfächer, Büros und Treppenhäuser erzählen von Arbeit, Geld und institutioneller Macht. Zugleich tragen sie die Spuren einer langen Abwesenheit. Mich interessierte dieser Zwischenzustand: Die frühere Ordnung des Ortes war noch sichtbar, während seine Zukunft bereits begonnen hatte.
Spuren von Arbeit und Macht
Bankarchitektur ist nie neutral. Sie lenkt Wege, trennt Bereiche und schützt Werte. In den leeren Räumen wurde diese Ordnung besonders deutlich. Nummerierte Türen, abgenutzte Oberflächen und verschlossene Fächer verweisen auf Menschen, deren Routinen längst verschwunden sind.
Meine Fotografien dokumentieren nicht nur den Zustand des Gebäudes. Sie folgen meiner persönlichen Wahrnehmung: dem Licht auf alten Wänden, der strengen Geometrie der Architektur und den überraschenden Farben des Verfalls. So entsteht eine visuelle Erzählung über Anwesenheit und Abwesenheit.
Ein Ort im Übergang
Das denkmalgeschützte Bankgebäude soll zum Hotel „Le Trésor“ umgebaut werden. Meine Aufnahmen entstanden vor dieser geplanten Transformation. Sie bewahren einen kurzen Moment zwischen zwei Nutzungen: nachdem die Bank ihre Funktion verloren hatte und bevor etwas Neues beginnt.
Arbeitsraum ist damit auch ein fotografisches Zeitdokument aus Schwerin. Das Projekt zeigt, wie Räume Geschichte speichern und wie sich ihre Bedeutung verändert, noch bevor die Architektur selbst verwandelt wird.
















