100 Tage Selbstportraits – Ein fotografisches Selbstexperiment
Manchmal entstehen die spannendsten Projekte aus einer einfachen Idee. Genau so begann 2003 mein Vorhaben „100 Tage Selbstportraits“. Damals lag die digitale Fotografie noch in ihren Anfängen, und vieles fühlte sich nach Aufbruch an. Ich wollte wissen, was passiert, wenn ich mich hundert Tage lang bewusst mit meinem eigenen Gesicht, meinem Ausdruck und meiner Wahrnehmung beschäftige. So wurde die Reihe 100 Tage Selbstportraits Uwe Nölke zu einer täglichen Routine, gleichzeitig aber auch zu einem offenen Experiment.
Tägliche Selbstbeobachtung mit der Kamera
Jeder Tag brachte eine neue Stimmung mit sich. Mal war ich neugierig, mal erschöpft, mal überrascht. Doch das Ritual blieb gleich: Kamera in die Hand, Licht prüfen, Position finden, Aufnahme machen. Dadurch entstand ein Rhythmus, der mich zwingt, genauer hinzusehen. Denn Selbstportraits zeigen nicht nur ein Gesicht. Sie zeigen Haltung, Zweifel, Kraft und manchmal auch Widerstand. Deshalb war das Projekt für mich mehr als eine fotografische Aufgabe. Es war eine Auseinandersetzung mit mir selbst.
Ein Projekt zwischen Introspektion und Experiment
Nach einigen Wochen veränderte sich der Blick. Ich begann, Formen und Strukturen zu suchen, statt nur ein Portrait zu machen. Schatten wurden wichtiger. Linien gewannen Bedeutung. Und ich merkte, wie meine visuelle Sprache klarer wurde. Die Reihe zeigt deshalb nicht nur meinen Alltag über 100 Tage, sondern auch die Entwicklung eines fotografischen Ansatzes. Genau das macht die Serie 100 Tage Selbstportraits Uwe Nölke heute für mich so wertvoll.
Digitale Fotografie am Beginn einer neuen Zeit
Es war eine Phase, in der die technische Seite der Fotografie komplett im Wandel war. Die digitale Kamera brachte neue Möglichkeiten, aber auch neue Herausforderungen. Dadurch ist die Serie ein Zeitdokument. Sie zeigt, wie ich damals mit Begrenzungen gearbeitet habe und wie daraus eine eigene Ästhetik entstanden ist.
Warum die Serie heute aktueller wirkt denn je
Heute sprechen alle über Selbstinszenierung, Selbstbilder und Identität. Doch dieses Projekt entstand lange vor Smartphones und sozialen Medien. Vielleicht macht gerade das den Reiz aus. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Wahrnehmung. Um das, was bleibt, wenn man sich selbst ehrlich anschaut.
Das Selbstporträt wird zum stillen Gespräch über Sichtbarkeit. Damit berührt mein Fotoprojekt auch jene Fragen, die sich die Forschung zu Bildern als Kommunikationskode stellt.
Weitere interessante Arbeiten von mir, wie zum Beispiel „Ein Jahr Constanze“ oder „Jugendliche Lebenswelten“ finden Sie in der Übersicht meiner Fotoprojekte.

















