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Selbstporträt von Uwe Nölke vor einer abstrakten Wandstruktur aus hellen und dunklen Flächen

100 Tage Selbstporträts

Ein fotografisches Selbstexperiment aus dem Jahr 2003

Im Jahr 2003 nahm ich mir vor, mich hundert Tage lang jeden Tag selbst zu fotografieren. Die digitale Fotografie stand noch am Anfang, und ihre Unmittelbarkeit eröffnete neue Möglichkeiten. Mich interessierte weniger das einzelne gelungene Bild als die Frage, was durch die tägliche Wiederholung sichtbar wird: Stimmungen, Veränderungen und der wechselnde Blick auf das eigene Gesicht.

Uwe Nölke hält eine Digitalkamera in der Hand und fotografiert sich über den Schrankspiegel

Die Kamera als Gegenüber

Jeden Tag begann die Suche neu. Ich wählte einen Ort, prüfte Licht und Ausschnitt und stellte mich vor die Kamera. Aus der einfachen Aufgabe entwickelte sich ein Ritual. Die Kamera wurde zum Gegenüber. Vor ihr entstanden Bilder zwischen Kontrolle und Zufall, Nähe und Distanz, Ernst und spielerischer Neugier.

Vom Porträt zum Experiment

Mit der Zeit löste sich mein Blick vom klassischen Porträt. Spiegelungen, Bewegungsunschärfe, architektonische Linien und ungewöhnliche Ausschnitte rückten in den Vordergrund. Mein Gesicht blieb Ausgangspunkt, war aber nicht mehr immer Zentrum des Bildes.

Ein frühes digitales Tagebuch

Die tägliche Arbeit wurde zu einem visuellen Tagebuch. Sie hielt nicht nur wechselnde Stimmungen fest, sondern auch die Entwicklung meiner fotografischen Sprache. Zugleich erzählt die Serie von einer Zeit des Aufbruchs, in der digitale Bilder noch neu waren und weder Smartphones noch soziale Netzwerke unseren Umgang mit Selbstbildern bestimmten.

Uwe Nölke geht durch ein großes modernes Gebäude und fotografiert sich selbst im Gehen.

Selbstbild und Wahrnehmung

Rückblickend liegt genau darin eine besondere Spannung. Die Fotografien suchen keine optimierte Außenwirkung. Sie untersuchen, wie sich Selbstwahrnehmung verändert, wenn man sich hundert Tage lang immer wieder zum eigenen Motiv macht.

Aus der Serie „100 Tage Selbstporträts“